Start ins Leben - die OJB gibt Rückenwind

23.07.25, 16:00
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Martin Schäfer

Warum die Arbeit in der Offenen Jugendberufshilfe Leverkusen so wichtig ist

Bild 1: Im Beratungsgespräch werden Vertrauen aufgebaut und der Grundstein für eine langfristige Unterstützung beim Weg ins Berufsleben gelegt.

Was braucht es, damit Jugendliche und junge Erwachsene ihren Weg im Leben machen? Insbesondere dann, wenn sie von Zuhause wenig Rückhalt bekommen oder keinen Schulabschluss haben? Ansgar Lutz leitet für uns die Offene Jugendberufshilfe (OJB) in Leverkusen. Wenn man ihn fragt, ist es wichtig, „sich als gewollt in der Gesellschaft zu fühlen und mit seinen Fragen nicht allein zu sein. Jede*r möchte sich als Mensch verstehen, der seinen Teil beitragen kann. Diese Teilhabe an der Gesellschaft passiert oft durch Arbeit.“ 
 
Wenn es nicht gelingt, sich diesen Platz in der Gesellschaft zu erobern, droht häufig soziale Ausgrenzung. „Ich sehe hier oft junge Menschen, die den Mut verloren haben, weil sie immer wieder merken, dass sie nicht mithalten können. Das ist schon in der Schule so und setzt sich dann fort, wenn es darum geht, den Schritt ins Berufsleben zu schaffen“, erzählt Ansgar. Häufig zögen sie sich dann zurück und fühlten sich ausgeschlossen.  
 
Es geht also oft um mehr als das Bewerbungenschreiben, wenn unsere Kolleg*innen in der OJB ihre Arbeit machen. 730 Jugendliche und junge Erwachsene haben sie im vergangenen Jahr dabei unterstützt, den Übergang von Schule in den Beruf zu schaffen. Mit manchen arbeiten sie gegen Ende der Schulzeit an einer Perspektive, wie es weitergehen kann. Manche junge Erwachsene kommen, um die frei zugänglichen Computer in der OJB für ihre Bewerbungsunterlagen zu nutzen. Für einige besorgen die Mitarbeitenden der OJB Praktika und helfen ihnen, erste Schritte ins Arbeitsleben zu gehen.  
 
Sehr häufig geht es darum, einen Knick im Lebensweg der jungen Erwachsenen zu überwinden. Das geschieht oft kleinschrittig, geduldig und manchmal über Jahre hindurch in immer neuen Anläufen. „Bei vielen Jugendlichen müssen wir erst einmal das Selbstvertrauen aufbauen und eine Struktur im Alltag“, erzählt Sabine Terfloth, pädagogische Mitarbeiterin in der Offenen Jugendberufshilfe. „Wir probieren neue Wege aus. Wenn eine Ausbildung oder ein richtiger Job erst mal zu viel wäre, dann fangen wir mit einem Praktikum an.“ Der Gedanke hinter diesem umfassenden Ansatz ist es, dass die jungen Menschen ein selbstbestimmtes Leben führen können und eine dauerhafte Abhängigkeit von staatlichen Transferleistungen verhindert wird.  Es geht ebenfalls darum, durch Teilhabe am Berufsleben eine soziale Ausgrenzung zu vermeiden.  
 
Das hat sich in Leverkusen bereits herumgesprochen: Therapeuten, die LVR-Tagesklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, das Jobcenter oder das SPZ (Sozial-Psychiatrisches Zentrum Leverkusen) wenden sich häufig an die OJB, um junge Erwachsene zu unterstützen, die sonst nicht aufgefangen werden. Sie wissen, dass es keine vergleichbare Stelle gibt, die den jungen Leuten eine verlässliche Unterstützung beim Weg ins Berufsleben bietet.   
 
Derzeit ist die Beratung in der OJB so gefragt, dass unsere Kolleg*innen einen Aufnahme-Stopp einrichten mussten. Die Kapazitäten reichen nicht, um alle zu betreuen, die die Unterstützung brauchen. Mit Sorge blicken wir darum auf die Kürzungen, die im Haushalt der Stadt Leverkusen anstehen. Eine Einsparung um 15% würde dazu führen, dass der derzeitige Personalschlüssel nicht aufrechterhalten werden kann. „Wir geraten dann in eine noch größere Schieflage. Die Zahl der jungen Menschen, die Unterstützung benötigt, wird dann die Zahl der Betreuungsplätze noch weiter übersteigen“, befürchtet Ansgar Lutz.

Bild 2: Ansgar Lutz ist Leiter der OJB (Offene Jugendberufshilfe Leverkusen), die zur Katholischen Jugendagentur LRO gehört.